Wenn es um weihnachtliche Traditionen geht, denkt man wahrscheinlich an erster Stelle an das Erzgebirge. Ein ganz unverwechselbares Aussehen erhalten die Städte des Erzgebirges durch die beleuchteten Fenster, die typischen Schwibbögen und die traditionellen Figuren wie Bergmann, Engel, Nussknacker und Räuchermann. Die vielen Lichter in den Fenstern machen einen Advents- bzw. Weihnachtsspaziergang zu einem unvergessenen Erlebnis. Im Erzgebirge werden zu Weihnachten seit etwa 1830 Räucherkerzchen aufgestellt, die die Räume mit einem anheimelnden Geruch aromatisieren. Um dies optisch zu ummanteln, wird das sogenannte "Raachermannl" (Räuchermännchen) oder "Raacherhaisl" (Räucherhäuschen) angeboten. Es gibt "Raachermannl" in unzähligen Variationen. Der liebliche Duft entfaltet sich aus allen denkbaren Gegenständen bzw. Figuren.

Besonders sehenswert sind die alljährlichen Weihnachtsmärkte, die Gelegenheit bieten, das Erzgebirge und seine Sitten und Bräuche aus nächster Nähe kennenzulernen. Hier gibt es viele Leckereien wie Bratäpfel, Rostbratwürste, Zuckerwatte, Ochse am Spieß und Lebkuchen. Schnitzer, Klöpplerinnen, Weber, Drechsler, Drucker, Flechter und Maler stellen dort ihre Produkte aus. Außerdem gehören zum Weihnachtsfest Weihnachtsbaum und Pyramide. Sie sind in jeder Wohnung und auf jedem Weihnachtsmarkt zu finden. Besonders der Heilige Abend ist von Traditionen geprägt. Einige "Regeln" sind im folgenden benannt:

- Das Feuer im Ofen darf nicht verlöschen.
- Es darf keine ungerade Anzahl von Personen am Tisch sitzen.
- Es muss für eine Person mehr eingedeckt werden.
- Während des Essens darf nicht aufgestanden werden.
- Das Neinerlaa gehört auf den Tisch.
- Das Geschirr des Heiligabendessens sollte nicht abgewaschen werden.

Diese werden heute natürlich nicht mehr alle befolgt, aber die bekannteste Tradition des Erzgebirges - das Neunerlei oder Neinerlaa zum Heiligabend - ist noch vielerorts anzutreffen. Um es vorweg zu nehmen, was alles zum Neinerlaa gehört, ist von Region zu Region unterschiedlich. Es wird daher ausdrücklich darauf verwiesen, daß man andernorts im Erzgebirge eine andere Zusammenstellung findet.

Häufig werden Linsen zum traditionellen Neinerlaa gezählt, diese kommen heute in vielen Familien bereits zu Mittag auf den Tisch. Das Neinerlaa am Abend könnte dann z. B. so aussehen:

- Bratwurst
- Gekochte Klöße (Kartoffelklöße)
- Sauerkraut
- zerlassene Butter
- Sellerie
- Semmelmilch
- Schwarzbeerkompott
- Brot
- Salz

Diese Speisen wurden vielfach mit einer bestimmten Bedeutung verbunden. So verheißen Klöße großes Geld, Linsen dagegen Kleingeld. Brot und Salz müssen auf dem Tisch sein, sonst fehlen sie das ganze Jahr. Sauerkraut ist wichtig für das Wachsen des Getreides. Sellerie garantiert Potenz und Fruchtbarkeit. Am Heiligen Abend beginnt das Essen pünktlich um 18:00 Uhr. Der Tisch ist mit einem weißen Tischtuch bedeckt. Brot und Salz stehen neben dem Tischlicht. Wenn es der Vater anzündet, beginnt das Festessen. Zuvor wurden die Lichter auf dem Christbaum, den Schwibbögen, den Bergleuten und Engeln entzündet. Nach dem Essen wird das Brot, das Salz und das Tischlicht im Tischtuch eingeschlagen und bleibt bis zum nächsten Tag auf dem Tisch liegen.

Am Morgen des 1. Weihnachtsfeiertages wird der Stollen angeschnitten - wobei heute kaum noch jemand so lange widerstehen kann :-) - und mittags gibt es die Weihnachtsgans mit grünen Klößen und Rotkraut. Zu Silvester wird ein Karpfen blau gegessen und am Hohneujahr gibt es nochmals das Neinerlaa. Aber auch hier gibt es regionale Unterschiede. Weniger traditionell sind sicher Wiener mit Salat oder Brathähnchen mit Pommes. Wir wünschen trotzdem eine gesegnete Mahlzeit und guten Appetit.